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Sep 9, 2016 - Leseförderung, Medien    No Comments

Xatar und Co – Jugendgefährung oder Leseförderung?

Kundenwünsche sind mir wichtig! Wenn sich Hauptschüler Bücher wünschen und sich dann riesig freuen, endlich das gute Stück in den Händen zu halten und ausleihen zu dürfen, dann leuchten die Augen aller Bibliothekare und Lehrer. Es sei denn, es ist ein Buch von Xatar. Dann gibt man das Buch mit einem mulmigen Gefühl über die Theke, hat es schon zuvor widerwillig bestellt. Immerhin sitzt der Typ grad im Knast. Die Bushido-Biografie war einst ein ähnliches Thema. Muss so was in einer Schulbibliothek stehen? Meine Kollegin wollte vor Jahren die Bravo verbannen, zu viele Nackedeis…

Für mich gilt: steht es auf dem Index? Für Bücher gibt es keine Altersbeschränkung. So hielt die Bushido-Biografie einst sogar Einzug in den Lesekanon einer Leseaktion unserer 5. (!) Klassen. Der beteiligte Lehrer hatte das ausdrücklich erlaubt, seither hat er bei dem Schüler einen Stein im Brett. Der nahm sich später auch andere Lektüre vor, weil eben dieser coole Lehrer es empfohlen hatte. Der besagte Lehrer ist mittlerweile leider im Ruhestand. Er war der einzige, der an meiner Schule eine ähnliche Leseförderstrategie verfolgte wie ich.

Und was Xatar für die Jugendbibliothek ist, war Sarrazin für die Öffentliche Bibliothek. Umstritten, aber notwendig. Darf man das? Ich glaube, man muss. Hemmschwellen abbauen, Bbliotheken zu betreten und sie dann sogar noch gut zu finden, halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben für Bibliotheken mit der Zielgruppe leseferne Jugendliche. Die Definition von Jugendliteratur ist uneindeutig. Für mich ist Jugendliteratur, was Jugendliche lesen. Nur so können Jugendliche ihre Bibliothek mitgestalten und Bibliotheken bleiben an der Zielgruppe dran.

Meine Jugendjury wuppte so schon einige „Erwachsenenbücher“ wie Earth Core (Sigler) oder Gott bewahre (Niven) auf unsere Bestleiherlisten. Auch Fifty Shades of Grey war ein viel diskuttiertes Buch in der Truppe… – und das haben viiiiele Bibliotheken im Bestand. Denn Bibliotheken betreiben (hoffentlich) keine Zensur.