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Kooperation Schule – Stadtbibliothek: Kriterien für ein Gelingen

Für eine Fortbildung zum Thema Schul- und Stadtbüchereien in Kooperation habe ich mich mal wieder damit auseinandergesetzt, welche Vor- und Nachteile solche eine Kooperation für die Stadtbibliothek, aber auch für die Schule hat. Dabei fiel mir auf, dass wir trotz einer eher lockeren Vereinbarung doch verdammt gut miteinander arbeiten und das hat Gründe:

  • Fachkräfte einsetzen – einen Lehrer/in in die Bücherei oder eine(n) Bibliothekar/in in die Schule – das sorgt für Verständnis und Knowhow, denn Schule und Kommune – das sind zwei völlig verschiedene Lebenswelten
  • Verlässlichkeit – gemeinsames Arbeiten geht nur über Verlässlichkeit, sonst versickert die anfängliche Motivation, dazu kommt eine finanzielle Verlässlichkeit, um auch langfristig die Aktualität der Medien zu gewährleisten
  • Kommunikation – zwei Träger haben zwei verschiedene Ziele – und doch das gleiche, aber das muss kommuniziert werden
  • Personen – tja, wo Leute miteinander arbeiten, muss es funktionieren – auch zwischenmenschlich. Der Ansatz, was Bibliothek ist und will, der sollte schon übereinstimmen (Beispiel: Ja, Comics sind richtige Bücher, denn die Lust am Lesen schaffen sie und das ist prima)
  • Basics schriftlich fixieren – eine Kooperationsvereinbarung ist vor Gericht nicht allzu viel wert schätze ich mal, aber sie bringt eine Verbindlichkeit mit sich
  • Vertrauen – eine Schule stellt eine Fachkraft ein, da muss sie sie auch ihren Job machen lassen. Ich kenne Beispiele aus der Praxis, wo die Lehrkräfte trotz Fachkraft über jedes einzelne Buch abstimmen, das gekauft werden soll – Arbeitserleichterung sieht anders aus

Eine Schule mit Bibliotheksfachkraft, das ist oft noch eine Seltenheit. Eine Stadtbibliothek, die Schulen ganz selbstlos „bedient“ und deren kleine Bücherecke nicht als Konkurrenz sieht, wäre viel öfters wünschenswert. Denn wir wollen ja eigentlich alle das selbe…

Sind Kooperationsvereinbarungen sinnvoll?

Im Studium wird gelehrt: immer erst alles durchdenken, ein Konzept machen und dann einen Fahrplan erstellen. Das mache ich mit meinen Veranstaltungen nach wie vor und fahre gut damit. Schwieriger wird es, wenn an dem Fahrplan auch andere beteiligt sind. Mit dem Kreis Offenbach, der Stadtbücherei Dreieich und der Schule ist es uns vor einigen Jahren tatsächlich gelungen, solch einen Fahrplan für die Bücherei zu entwickeln. Engagierte Menschen haben damals gut daran getan, auf bestimmte Formulierungen zu bestehen und andere grober zu fassen. Diese Vereinbarung ist freilich kein gerichtlich einklagbares Werk, wohl aber eine gute Orientierung für alle Beteiligten, wer was zu tun hat und wohin wir wollen. Ich als ausführende Person weiß somit, in welchem Rahmen ich mich bewegen kann, ob ich neue Projekte anstupsen darf und welche Dinge ich „liefern“ muss.

Ich kenne andere Vereinbarungen, die so eng gestrickt sind, dass die ausführenden Bibliotheksmitarbeiter nur sehr enge Grenzen haben, um Projekte überhaupt zu unterstützen oder neu zu starten – oder das Gegenteil: alles ist so vage formuliert, dass keiner weiß, wo die Bibliothek hinsteuern soll und welche Befugnisse für Ausführende überhaupt existieren. Diesen Spagat hatten wir zu Beginn, als die Bücherei aufgebaut worden ist. Schule wollte dies, Stadtbibliothek wollte das. Aber jetzt ziehen alle an einem Strang und es wurde ein gutes Mittelmaß gefunden.