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Feb 28, 2017 - Leseförderung, Schulalltag    No Comments

Macht abgeben – Partizipation leben

Ein großes Thema in Remscheid zum #konkiju17 war auch Partizipation von Kindern und vor allem Jugendlichen in der Bibliotheksarbeit. Sprich: können die Jugendlichen auch mitgestalten?  Mit dem Literanauten-Projekt und in unserer Schulzeitung setzen wir das super um – dachte ich bisher.

partizipation-konkiju17Beispiel Schulzeitung

In der Schulzeitung hatten wir kürzlich einen Bericht zum Schulfest. Er war seeehr negativ (meine Meinung). Ich empfand den Tag des Schulfestes selber aber als schön. Der Jungautor hatte vorbildlich ein paar Leute befragt und neutral bis negativ berichtet – so, wie es eben in deren Augen war. Mir fehlte im Text komplett ein Teil, nämlich, was wirklich alles stattgefunden hatte an jenem Tag. Und die Fotos zeugten von viel Spaß und guter Laune – zum Text passte das nicht. Ich habe vorsichtig den Text um einige Fakten ergänzt. Das Ergebnis: Schüler war beleidigt. Hm. Mist. Und nicht beabsichtigt.

Mutige Kritiker gesucht

Es hat mich persönlich verletzt, dass all dieser Frust der Redaktion ausgerechnet dann zu Tage kam, als ich nicht anwesend war. Doch ich muss Profi sein, darf nicht beleidigt sein und muss drüber stehen. Und hoffen, dass sich die kritischen Stimmen das nächste Mal trauen, mich direkt anzusprechen. Und ich muss mehr zulassen. Boah, das ist schwer. Man bin ich ein Schisser. Ich bin auch für authentisch und mitmachen und echte Partizipation! Wieso fällt mir das so schwer? Weil es dann vielleicht nicht so hübsch aussieht?

Wenn ich die Jugendgruppen einfach mal loslegen lasse, fällt mir das Zurücklehnen sehr schwer. Ich sehe, welche Probleme die Wege (wahrscheinlich) mit sich bringen und will helfen. Partizipation bedeutet ja nicht, die Jugendlichen gegen eine Wand laufen zu lassen, sondern zu unterstützen, wo es nötig ist und ihnen Freiräume zur Gestaltung zu lassen.

Beispiel Jugendjury

Jetzt wird also alles in Frage gestellt. Mit meiner Jugendjury fange ich heute an. Damals mit Jurygründung haben alle alles mitbestimmt und wir haben uns mit der Zeit perfektioniert. Doch wir haben komplett neue Mitglieder. Wie wollen die denn sein? Was wollen sie machen? Wie soll deren Jury funktionieren? In 2 Stunden ist das nächste Treffen und ich werde es versuchen, es eben mal nicht selber zu machen.

Jan 17, 2017 - Schulalltag    No Comments

Und ich nerve und nerve und nerve…

Neben der Büchereiarbeit hab ich vor einigen Jahren das Layouten unserer Schulzeitung übernommen. Nein, keine Schülerzeitung, dazu machen wir Erwachsenen zu viel mit. Aus dem „Layouten“ wurde leider schnell das Hinterherrennen von Schülern und Kollegen, damit die angekündigten Texte und Bilder möglichst vor dem Gang zur Druckerei kommen. Damit mache ich mir entweder Feinde – echt, eine Schülerin ist derzeit auf mich sauer, weil ich 5 Wochen nach Redaktionsschluss mal die Reißleine ziehen musste – oder ich bin das wandelnde schlechte Gewissen. Im Gang sehen mich Kollegen an und sofort weichen sie mir aus oder geben zerknirscht zu, einen versprochenen Artikel nun doch nicht mehr geschafft zu haben.

Wir haben alle Stress, klar. Aber wieso planen wir den eigentlich nie ein? Wieso kommen jeden Tag unverhoffte Dinge dazu, die die Termineinhaltungen dann doch wieder verhageln? Ich hatte auch solche Phasen, alles war zu viel und immer kruschelte ich was und machte nebenbei tausend Dinge. Ich will ne Kopie machen, oh halt, da ist eine fast tote Pflanze – im Pflanzenkübel liegt aber viel Müll, so, weg damit – ah ja, den Medientisch wollte ich noch machen, welche Bücher brauche ich? Draußen läuft grad die Kollegin, der ich die Mail noch schicken wollte, das mach ich lieber gleich… – wo ist meine Kopie?

Das frustrierte mich ungemein, denn nichts wurde wirklich fertig. Seit ich das für mich erkannt habe, versuche ich, jeden Tag den Schwerpunkt entweder aufs Katalogisieren, Bestellen, Planen von Veranstaltungen, Literanauten oder sonstwas zu legen. Die zu erledigende geplante Aufgabe dauert etwa 60 Minuten. Wenn ich dann nach 8-9 Arbeitsstunden heimgehe, bin ich meist froh, wenn ich die Aufgabe wirklich geschafft habe – denn immer kommt irgendwas und irgendwer dazwischen. Es gibt Kunden, die kopieren wollen, die Fragen haben, Drucker, die kaputt gehen, Klobrillen, die repariert werden müssen (ja, hatte ich heute), Kollegen, die kurz plauschen wollen…

Und ich nehme es nicht mehr persönlich, wenn jemand sauer ist, weil ich versuche, meinen Job zu machen und immer und immer wieder ankomme wegen eines fehlenden Textes. Echt jetzt. Ich bin nicht sauer. Wirklich nicht… pff! ;-P

Und plötzlich hauen sie dich um!

Sie, die lauten, nervigen Schüler, die immer was wollen und meist keinen Bock haben – DIE sind es auch, die dich plötzlich flashen! In dieser Woche hatte ich schon 3 Wow-Erlebnisse dieser Art:

  • für die Schulzeitung werden wir über den Schulkeller berichten. Öde? Finden die Erwachsenen. Für Jugendliche/Kinder ist es ein Abenteuertrip in die Katakomben der Schule! Was gibts da unten zu entdecken? Was wird da alles gelagert? Wie riecht es? Kommen wir hier wieder heile raus? 😉 Das waren unsere Fragen. Eine sehr engagierte Schülerin ging aber einen Schritt weiter: sie rief beim örtlichen Bauamt an und erkundigte sich nach Bauplänen, statischen Fragen usw. Waas? Ja, hat sie getan. Nicht unbedingt von uns forciert, aber irgendwie witzig.
  • Dann betreue ich eine Gruppe Jugendlicher, die 1-2x pro Jahr Lese-Nachmittage für Kinder gestalten (unsere Literanauten). Mit den Teilnehmern einen Termin zu machen, ist unfassbar schwierig. Gestern konnten immerhin 3 von 4 Leuten und wir haben gebrainstormt. Und wir haben geplant und richtig krass viel gearbeitet und nach gerade mal 90 Minuten hatten wir ein Konzept, dass abwechslungsreich, thematisch passend, zielgruppengerecht und pädagogisch und doch spielerisch jugendlich war. Ich war zuteiefst beeindruckt, zumal die meisten Ideen von den Jugendlichen selbst kamen.
  • Und das dritte Wow-Erlebnis schlich sich so ganz langsam ein. Jugendliche, die wirklich mal zuverlässig sind, die langfristig Projekte mit stemmen! – Und dann schrieb ich ihnen ein Teilnahmezertifikat und dachte: So viele Jahre sind die schon aktiv? Und ich kann ihnen nur so ein olles Zertifikat ausstellen?
    Vergangene Woche habe ich mithilfe des AKJ e.V. eine Ausbildung begonnen, die es mir ermöglicht, genau diesen Jugendlichen dann einen Kompetenznachweis in die Hand zu geben, der in einem genau vorgegebenen Verfahren mit dem Jugendlichen erarbeitet wird und dann für Bewerbungen usw. einen hochwertigeren Nachweis ihrer ganz persönlichen Stärken darstellt. So kann ich zumindest ein wenig zurückgeben.