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Apr 18, 2017 - Schulalltag    No Comments

Und ab durchs Fenster

Es gibt so Tage, da ist die ganze Schule einfach gaga! Popcorn explodiert in unserem Chillraum, Leute stürmen rein, um direkt durchs Fenster hinten wieder rauszuklettern, alle schnattern aufgeret wild durcheinander und haben irgendwie einen kleinen Knall. Auch Lehrer, denen ich an diesen Tagen begegne, bemerken die seltsam quirlige Stimmung.

An diesen Tagen macht es fast keinen Sinn, für Ruhe zu sorgen und zu schimpfen, weil nach einer Minute wieder alle total durcheinander schreien. In den letzten Jahren wollte ich diesem Phänomen Ursachen zuordnen: Vollmond? Regen? Prüfungen, die bevorstehen? Hitze? So richtig die EINE Ursache hab ich noch nicht entdeckt, aber immerhin kämpfe ich nicht mehr gegen Windmühlen und nehme diese Tage dann hin. …und drehe selber mal ein wenig ab 🙂

Feb 21, 2017 - Schulalltag    No Comments

Gesetze des Schul-Dschungels! Basics für Newbies

Gemeint ist hier, wie schaffe ich es, dass große 18-jährige Kerle tun, was ich will – zum Beispiel ihre Kippe aufzuheben, die sie gerade provokant vor dir fallen gelassen haben?

Basic-Tipps:

  • Tipp 1: Ruhig bleiben, Pokerface, Namen/notfalls irgendwas aufschreiben! Bei Alpha-Männchen langen Atem haben und weggehen, irgendwann kommt immer deine Chance…
  • Tipp 2: Niemals schreien, das klingt bei Frauen absolut hysterisch und sie merken, dass sie dich weich geklopft haben.
  • Tipp 3: Niemals rennen, auch nicht, wenn das Telefon klingelt. Einmal rief mir ein Schüler hinterher „Lassen Sie die T*** wackeln!“ – Ich war sehr neu hier und hatte es sehr eilig. Ich bin nie wieder gerannt. Das wirkt, als habe man die Lage nicht im Griff und macht sich selbst zum leichten Ziel.
  • Tipp 4: Den Schüler/Kunden sehen. Ihn wahrnehmen, sich Zeit nehmen – und wenn schon jemand ansteht, mit dem einen neuen Termin machen. So wissen Kinder und Jugendliche, dass sie wichtig sind und ich mich wirklich mit ihren Belangen beschäftige. Das geht halt nur, wenn ich nicht im Stress bin. Notfalls sende ich Medientipps per Mail. Ich brauche Ruhe zum Recherchieren und manchmal muss man mit einem Schüler eben eine kleine Weile sprechen, um zu erfahren, was genau das Thema eigentlich ist. Das entschleunigt und gibt dem Ganzen auch Bedeutung – und ob man’s glaubt oder nicht – man schafft am Ende des Tage mehr.
  • Tipp 5: verzeihen können. Jugendliche entwickeln sich und auch wenn du genau weißt, dass der/die SchülerIn vor 2 Jahren irgendwas Fieses gemacht hat, er/sie weiß es meist gar nicht mehr und es ist oft nicht persönlich gemeint. Das sind dann die, die dich noch Jahre später beim Einkaufen grüßen!

Und wie schaffe ich es, dass in der Bücherei eine gewisse ruhige Arbeitsathmosphäre herrscht? Heißes Thema, in der Fachwelt viel diskutiert! Warum Ruhe? Trends wie Makerspace sollen Bibliotheken zu Lernzentren im praktischen Erfahren machen und warum muss es dann immer –PSSST- leise sein? …. Ähm, weil ich ein Mensch bin und hier arbeiten muss. Weil permanenter Krach krank macht. Und weil die Bücherei der einzige (!) halbwegs ruhige Ort in dieser riesigen Schule ist. Wir haben 1800 Schüler, dazu Lehrkräfte usw. In den Pausen ist es im Förderstufenbereich höllisch laut. Aber auch in der Oberstufe geht es zeitweise sehr laut her. Ist ja auch in Ordnung, nur sollte es für uns alle zumindest eine Rückzugsmöglichkeit zum Lernen, ausruhen und Luft holen geben. Und wenn die nicht mitmachen wollen?

Meine beliebtesten Maßnahmen für mehr Ruhe:

  • Tipp 1: Nett darauf hinweisen – wenn es bekannte Gesichter sind, die unsere Regeln sehr gut kennen, auch gern deutlicher.
  • Tipp 2: Immer eindeutig und bestimmt bleiben, nicht zu viele „ach könntet ihr bitte vielleicht…“ – wir sind quasi im Dschungel und eigene Angst und Unsicherheit riechen die!
  • Tipp 3: Rausschmiss, bei Wiederholungstätern gern auch ohne Vorankündigung. – Altbacken, total überholt, wirkungsvoll.
  • Tipp 4: Die beste, weil wirklich schönste und kreativste Art aber: androhen eines Spoilers, z.B. wer bei Game of Thrones als nächster sterben wird!
Nov 25, 2016 - Schulalltag    No Comments

Jugendliche im Stress

Haben Sie schon mal versucht, mit nur 3 oder 4 Jugendlichen innerhalb der Woche einen Nachmittagstermin zu finden, an dem alle auch können und mal eine Stunde Zeit haben? Es ist nicht möglich. Mit Doodle, Mail oder WhatsApp versuche ich,  Jugendlichen mit ihren eigenen Kommunikationsmitteln anzusprechen und somit wenigstens die Terminfindung leichter zu gestalten, aber es ist jedes Mal ein Grausen!

Dabei sind das alles engagierte, gebildete nette junge Menschen – oder ist vielleicht genau das das Problem?

Die Engagierten kriegen immer noch eins mehr mit, das kennen wir alle. Sagst du einmal ja und bist auch noch gut, hast du quasi „verloren“. Und ich nutze die Engagierten und Netten ja selber schamlos aus. Einige kriegen es ganz gut hin und lassen sich von mir nicht zu allem verpflichten. Ich manage derzeit eine Jugendliteraturjury, die hauptsächlich liest. Außerdem eine Gruppe, die Lesen als Events für Kinder gestaltet und zudem kommt die AG der Schulzeitung. Manchmal brauche ich noch Leute, die bei einem „Literarischen Quartett“ mitmachen, eine Lesung organisieren, mit in die Buchhandlung gehen wollen oder die beim Tag der offenen Tür mithelfen. – Und wen frage ich? Immer die Gleichen, immer die Zuverlässigen.

Nein sagen – das müssen auch Jugendliche lernen!

Ein Mädel ist dabei, die sagt auch Nein, und das auch noch sehr charmant. Das find ich toll. Sie hat gelernt, nur das zu tun, was sie wirklich will und was sie auch schafft. Für mich ist „Nein“ natürlich manchmal blöd, aber wenn sie „Ja“ sagt, kann ich mich auf sie verlassen. Zuverlässigkeit ist bei der Arbeit mit Jugendlichen nicht selbstverständlich. Sie müssen auch manchmal noch lernen, was eine Zusage bedeutet und dass es halt für alle anderen nicht gut ist, Termine kurzfristig platzen zu lassen. Ich selber muss meine Jugendlichen dann auch gut kennen, denn wir bekommen monatlich Anfragen, ob die Jury nicht hier und da noch aktiv sein möchte. Dann muss auch ich mal „Nein“ sagen und so mindestens die beschützen, die es noch nicht können.

Jugendliche wollen umgekehrt auch Verlässlichkeit und Konstanz. Wenn ich selber zu oft fehlerhafte Mails verschicke, werden sie nicht mehr gelesen. Wenn ich Termine zu oft platzen lasse, sind sie weg. Es ist ein Miteinander. Und trotzdem bin ich die Erwachsene und darf Jugendlichen gegenüber nicht nachtragend sein, wenn sie mich – wieder mal – versetzt haben.

Sep 23, 2016 - Schulalltag    No Comments

Schhhhh….. – Klischees sind so ätzend, und wahr.

Als Schülerin bin ich nachmittags oft in unsere städtische Bibliothek gegangen und habe mich dort mit Freundinnen zum Spielen getroffen. Und zwar ging es meist um das Spiel Halli-Galli. Wer es nicht kennt: es geht um schnelles Kopfrechnen von Obstsorten und eine Glocke. Eine GLOCKE! *RRRing* *RRing* *RRRIIIIING*

Die arme Bibliothekarin, es tut mir so leid…

Ich habe hier in meiner „eigenen“ Schulbücherei vor Jahren auch Schachspiele, Brettspiele und Uno usw. für Freistunden verliehen und so waren öde Nachmittage immer einen Besuch mit Freunden in der Bücherei wert. Das klappte etwa zwei Jahre wunderbar, es kreiste schon die Idee in meinem Kopf, ein Spielezimmer einzurichten. Dann wurde es bei einigen Spielern sehr laut, sogar Schach war zu einem lautstarken anfeuerungswürdigen Turnier geworden. Prinzipiell super, wenn sich Schüler so für Denksport begeistern können! Lernen und stilles Lesen war für andere aber nicht mehr möglich. So haben wir zeitweise als Strafe die Spiele mal nicht verliehen und dann eben wieder doch. Zu Beginn des letzten Schuljahres (und mit dem Arbeitsbeginn zweier neuer Kollegen) habe ich dann beschlossen: Schluss. Keine Spiele mehr. Ich kann nicht mehr.

Meine Schmerzgrenze bzgl. Lärm ist in den letzten Jahren stark gesunken. Wie absurd ist das denn? In einer Bibliothek! Doch nach einem meist trubeligen Vormittag will man doch nachmittags endlich in Ruhe seine Bücher katalogisieren, wichtige Briefe oder Mails tippen, Klassenveranstaltungen vorbereiten oder an der Schulzeitung basteln. Stört mich dann auch nur ein unschuldiges Gekicher einer Achtklässlerin … könnte ich ausrasten! Völlig übers Ziel hinaus, ich weiß, aber ich bin dann einfach nervlich nicht mehr so stabil wie morgens 8 Uhr und so ist meine Rauswurfquote ab 13 Uhr deutlich höher als vormittags 🙂 Jaja, beliebt mache ich  mich damit nicht. Ich verwarne auch meist vorher. Aber bei Wiederholungstätern, die dann auch noch anfangen zu diskutieren und dreist sind, sehe ich rot und der Rausschmiss kommt ohne Vorwarnung. Mittlerweile rege ich mich nicht mehr auf (zumindest arbeite ich daran…), die Herrschaften werden nett gebeten, zu gehen und meist klappt es auch ganz gut.

Ich möchte nicht so gereizt und lärmempfindlich sein und oft meckern, ich mag mich dann manchmal selber nicht leiden. Meist muss ich halt auch für Ruhe sorgen, damit andere ungestört lernen können, aber manchmal und wirklich nur ab und zu… brauche ich Ruhe einfach für mich!

Am besten ist es übrigens, wenn ich grad alle ruhig bekommen habe und seit einigen Minuten Frieden und Ruhe herrscht – und dann die Schulleitung Türe schmeißend, laut lachend und ohne Rücksicht durch die Bücherei trampelt… 😀

Aug 29, 2016 - Schulalltag    No Comments

Endlich oder oh nööö? – Der erste Schultag nach den Sommerferien!

Da geht es Schülern, Lehrern und allen, die in Schulen arbeiten, glaub ich, ähnlich. Die Ferien sind zu Ende und obwohl ich selbst lange kein Schüler mehr bin, ich bin immer ein klitze klein wenig aufgeregt, wenn die Schule wieder los geht. Das hat eigentlich auch eher damit zu tun, dass ich nicht weiß, ob ich vergessen habe, irgendwas vorzubereiten – denn wenn es richtig trubelig ist, wäre das gut, wenn wichtige Listen da sind, alle möglichen Erstinformationen bereit liegen und Projekte grob vorbereitet sind.

Wehmütig möchte ich vor allem beim Weckerklingeln die Ferien ein wenig verlängern – und doch: es ist schon schön, wenn es wieder los geht. Einige(s) hat man sicher nicht vermisst, über andere(s) freut man sich nach den ruhigen Wochen doch wieder. Nur schwanke ich immer zwischen am Anfang möglichst streng meine Regeln durchsetzen, damit wird das ganze Schuljahr gleich entspannter, auch für meine Kollegen, weil gleich alles klar ist. Oder bin ich etwas nachsichtig, weil ja doch viele neue Schüler und Lehrer an der Schule sind und vieles nicht wissen können. Ich wirke dem mit kurzen Einführungen in Klasse 5 und 11 entgegen. Da erwische ich die meisten Neuen. Aber wann bittet man die Klassenlehrer und Tutoren um Terminevereinbarungen? Erster Schultag? Super stressig! Allerdings ist ab 11 Uhr (bei uns) dann kein Unterricht mehr und es wäre Zeit, mal einen Termin auszumachen. Oder lieber zweite Schulwoche? Dann stehen einige Klassenfahrten an und viele sind nicht da. Den perfekten Zeitpunkt zwischen noch nicht zu nervig früh und nicht zu spät muss noch austarriert werden…