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Feb 14, 2017 - Schulalltag    No Comments

Von Booleschen Operatoren und duftenden Haaren

Valentinstag! Überall! Kleine Mädchen wünschen mir einen happy Valentin’s Day – ob sie wissen, wer Valentin war, ist fraglich. Aber das Fieber greift um sich – auch im Methodentag! Ich stehe heute vor einer elften Klasse und wir starten in die Facharbeit. Themen: Wie recherchiere ich? Wo recherchiere ich? Was sind Boolesche Operatoren und wie geht Phrasensuche? Gibt es Alternativen zu Google und was macht eine gute Quelle aus?

Und in der hinteren Reihe schnuppert ein junger Mann an den Haaren seiner Sitznachbarin, immer wieder. Die verflochtenen Händchen der beiden lassen auf Pärchenstatus schließen. Sicher ist so was gewiss nicht, denn nicht jedes Mädel auf einem Herrenschoß ist mit besagtem Jüngling auch zusammen, wurde ich einst bei einem Treffen meiner Jugendjury belehrt. Dieser Knabe jedoch scheint hin und weg. Verträumt steckt er seine Nase immer wieder in ihr Haupt. Das irritiert mich. Es ist so auffallend und doch nehme nur ich es wahr, alle anderen schauen schließlich zu mir nach vorn.

Ich kämpfe mich erst durch, kann dann doch nicht widerstahen und lasse einen Spruch los. Ich rechne mit Gelächter, haha, ertappt. – Nichts! Alle sind eher genervt, das Geschnupper scheint wohl schon eine ganze Weile Lehrkräfte zu irritieren…

Generell ist Methodentraining ja etwas trocken, das verstehe ich. Und der verliebte junge Mann ist auch keine Ausnahme. Nebenbei meine Wikipedia-Arbeitsblätter ausmalen – okay. Sich trotz Handout eigene Notizen machen – löblich. Müde aussehen – logisch bei dieser Luft in dem Raum! Aber permanent an Haaren schnuppern, Fingernägel feilen, Haare bürsten oder die der Nachbarin flechten – ein Tick zu viel.

Sep 27, 2016 - Medien    No Comments

Erschafft meine Traumbücher! – Weiße Flecken auf dem (Sachbuch-)Buchmarkt

Im modernen Unterricht geht es weniger frontal zu als vor vielen Jahren – so zumindest das Ziel –  (Obwohl ich letzte Woche irgendwo gelesen hab, dass der Frontalunterricht ein pädagogisches Revival bekommen soll, weil selbstständiges Arbeiten doch sehr unruhig, aufwändig und tw. weniger produktiv sein soll – aber das ist hier nicht das Thema) – Für Gruppenarbeiten ist die Schulbücherei ein idealer Platz, vorausgesetzt sie hat Platz.

Zielgruppengerechte Motivation, um Bücher auch zu nutzen

Derzeit sind bei uns einige Jahrgänge auf Klassenfahrt. Das heißt, viele Lehrer sind nicht in der Schule und haben Rechercheaufträge verteilt, die die Vertreungslehrer mit den hier gebliebenen Klassen bearbeiten. Eine unserer H9er (H=Hauptschulklasse) hat so einen Auftrag bekommen. Nett wie der Lehrer war, hat er mich vorher informiert und konnte so schon alles bereit stellen und sogar einige Tipps aufschreiben, in welchem Buch auch was genau zu finden ist. Das ist zwar viel Mühe, für eine H-Klasse mit einem trockenen Thema (EU-Komission, Europäischer Gerichtshof etc.) ist dies dennoch sehr sinnvoll, weil so der Frust, nichts zu finden, stark minimiert wird und die Schüler gleich wissen: da ist jemand, der mir hilft, wenn ich nicht klar komme.

Tolle Sachbücher gibt es – zu immer den gleichen Themen

Am liebsten wären Schülern ja allgemein viel bebilderte Bücher mit übersichtlichen Infokästen zu genau ihrem Thema – so sind sie es von Wikipedia & Co gewöhnt. Das klappt bei Rittern, Tieren und Cowboys ganz gut, es gibt da tolle Buchreihen (Was ist was, Sehen/staunen/wissen, Memo, …). Leider bedienen die immer die gleichen Themen und meist auch auf einem Niveau, das nur zu einer bestimmten Zielgruppe passt.

Wo bitte finde ich geeignete Bücher zu deutschen Bundesländern, die kein Grundschulniveau haben und keine dicken Reiseführer sind? Unsere Kleinen sind etwa 11 Jahre alt, wenn sie das Thema behandeln und da helfen Grundschulatlanten nicht viel weiter, die sind zu grob. Auch das Thema Landwirtschaft und Bauernhof kommt ausschließlich im Bilderbuch vor – und in Fachbüchern für Landwirte. Das sind ja nun keine Themen, die sehr speziell sind. Wir wollen Schüler zum Nutzen von verlässlichen Printquellen animieren, aber unser Angebot richtet sich stark nach dem aktuellen Buchmarkt und da wird es manchmal dünn.

Für unsere Integrationsklasse fehlen gute Jugendbuchtitel in einfacher Sprache, die weder Sprach-Lernkrimi für Erwachsene noch Kinderbücher sind und sprachlich weniger derb sind als die Reihen „Short & easy“ und „K.L.A.R.“. Immerhin bei diesem Thema habe ich mittlerweile hier ein paar Titel aufgetan…

Abiturienten wollen Buchquellen nutzen – aber die Themen sind tw. zu speziell

Vor allem in der Oberstufe bereitet uns die Buchbeschaffung tw. Probleme. Dann nämlich steht in unserer Schule die Facharbeit an und die Themen reichen von „Chemie des Bierbrauens“ bis „Kraftsport bei Kindern“. Dann sehe ich auch ein, dass Verlage zu so speziellen Themen keine populärwissenschaftlichen Sachbücher produzieren. Dann wäre da noch die Möglichkeit der Fernleihe, theoretisch. Aus Spargründen wurde diese Option für uns gestrichen. Immerhin kann ich Auskunft geben, wo es bestimmte spezielle Titel gibt und verweise auf Nachbarbibliotheken, die die Fernleihe noch machen. Fraglich, ob ein Schüler dann wirklich jemals so ein Angebot annimmt, wenn es so umständlich ist.

„Populäre“ Themen nur in Wellen

Nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl erschienen zig Titel, sowohl Sachücher als auch Belletristik, doch diese Titel fasst heute kein Jugendlicher mehr an. Die Optik und Aktualität ließ bei den Büchern aus dieser Zeit doch stark zu wünschen übrig. Erst mit dem Reaktorunglück in Fukushima kam eine neue Welle. Darum hieß es dann: gute Titel finden, die  möglichst langlebig sind.