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Feb 27, 2018 - Leseförderung, Medien    No Comments

Wo sind die lesbischen Trolle?

Auch in der Literatur suchen Jugendliche ihre eigene Lebenswelt. Das wird derzeit bei jedem unserer Jugendjurytreffen (www.julid-online.de) deutlich. Egal, ob ein Roman in der realen Welt oder einem fantastischen Genre angesiedelt ist, die Hauptpersonen sollen bitte nicht mehr so „Mary-Sue“ sein. Homosexualität, ein nicht aalglatter Charakter oder anderes, was eben nicht Mainstream ist, werden begrüßt. Mittlerweile misst meine Jugendjury fast jedes Buch an der Charakterzeichnung und daran, ob diese in ihre eigene vielseitige Welt passt, in der es eben völlig normal ist, heute einen Freund und morgen auch mal eine Freundin zu haben. Diese Offenheit ist sehr begrüßenswert und dass die Jugendlichen diese auch in Romanen einfordern, finde ich klasse.

Ich selbst wollte als Kind einen Helden oder eine Heldin im Buch haben, die wirklich perfekt war und so, wie ich gern sein wollte. Das ist heute nicht mehr unbedingt das Kriterium für junge Leser. Und das ist gut so. Es zeugt von mehr Selbstbewusstsein einer Generation, dass jeder so, wie er ist, absolut einmalig und super ist. Natürlich kann man Vorbilder haben, um sich zu orientieren (Grüße hier an @HannesJaenicke und sein Buch „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“), aber selber der Held im eigenen Leben sein und das ganz bewusst und vor allem selbstbewusst – das ist doch mal was!

Dez 30, 2016 - Medien    No Comments

Eine Lesebiografie – Bücher, die mich prägten

Meine ersten richtig heftigen Kopfschmerzen hatte ich in der zweiten Klasse! Ich hatte an einem Samstag gemerkt, dass ich all die Micky Maus-Hefte, die ich schon lange gesammelt hatte, nun auch wirklich lesen konnte! Und an nur einem Tag arbeitete ich mich bäuchlings auf dem Boden durch alle Hefte! Die Stadtbibliothek war da schon lange mein zweites Zuhause und nach den vielen Bibi Blocksberg Kassetten (mal ehrlich, Benjamin Blümchen war doch was für Weicheier) entdeckte ich die Bücher.

unbenannt-1Stolz war ich dann, als ich mit 8 oder 9 Jahren ein komplettes Buch gelesen hatte, an einem Tag! Meine Uroma zollte mir gebührenden Respekt, dass ich die Geschichte von Mogli und Balu so schnell und fieberhaft durchgearbeitet habe. So angestachelt ließ mich das Lesen nicht mehr los. Meine Eltern lasen nicht wirklich viel, aber ich besuchte Zauberschulen mit Harry, lernte Respekt vor Religionen („Um Füße bat ich und er gab mir Flügel“), traf Freitag auf der Insel, erforschte die menschlichen Abgründe mit Christiane F. und Tess Gerritsen, flüchtete mit einem deutschen Kriegsgefangenen quer durchs eisige Russland („So weit die Füße tragen“) und lernte den Dalai Lama kennen („Sieben Jahre in Tibet“). Sogar in die damalige Zukunft ließ mich Orwell blicken…

Mittlerweile, nach Jahren der Jugendliteratur mit „Obsidian“en, „Numbers“ des Todes in Augen, Edwards mit den spitzen Zähnen, miesen Verrätern des Schicksals (Green) und Dystopien ohne Ende, bereise ich Afghanistan („Wer weint schon um Abdul und Tanaya“) und lerne, neue Blickwinkel einzunehmen und über meinen Tellerrand zu blicken. Ich tendiere derzeit mehr zu Sachtexten, eine schöne  Abwechslung zu Komissar Kugelblitz & Co…

Ich lese – es prägt mich – und ich liebe es.