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Nov 29, 2017 - Schulalltag    No Comments

Sollen wir oder sollen wir nicht?

Die Verlockung ist schon seit Jahren da. Er kommt so nett daher und manchmal sehne ich mich danach, auch Schüler, wie ich weiß. Aber wird damit die Lösung zur Ursache?

Es geht um einen Automaten für Ohrstöpsel. Das sieht nett aus und ist sehr praktisch, immerhin kostet er die Bücherei nichts, die Nutzer zahlen 1,- Die Ohrstöpsel können natürlich mehr als ein Mal verwendet werden. Ich weiß, dass viele dankbar wären, ich selber bunkere für „Notzeiten“ auch schon die kleinen Geräuschunterdrücker in meiner Schublade.

Aber…

…und darum wird das nichts mit uns beiden: ist der Automat erst einmal da, habe ich keine Argumente mehr, dass hier eine gewisse Arbeitsatmosphäre und Ruhe herrschen sollte. In den Pausen habe ich das sowieso aufgegeben, aber in Freistunden geht es auch hin und wieder hoch her. Am liebsten habe ich die Antwort von Schülern, dass doch außer ihnen keiner da sei… Grrrrh, hallo? Ich lebe, ich möchte etwas arbeiten und nein, ich möchte die Bravo nicht laut vorgelesen bekommen. Zugegeben, manchmal ist so ein Gespräch durchaus interessant, aber unser Raum ist brutal hellhörig. (ein kleiner Pups eines älteren Herren gaaanz hinten in der Bücherei, den ich bis ins Büro gehört habe, bestätigt das!)

Also, der Automat und ich, das wird eher eine Was-wäre-wenn-Geschichte bleiben.

Feb 21, 2017 - Schulalltag    No Comments

Gesetze des Schul-Dschungels! Basics für Newbies

Gemeint ist hier, wie schaffe ich es, dass große 18-jährige Kerle tun, was ich will – zum Beispiel ihre Kippe aufzuheben, die sie gerade provokant vor dir fallen gelassen haben?

Basic-Tipps:

  • Tipp 1: Ruhig bleiben, Pokerface, Namen/notfalls irgendwas aufschreiben! Bei Alpha-Männchen langen Atem haben und weggehen, irgendwann kommt immer deine Chance…
  • Tipp 2: Niemals schreien, das klingt bei Frauen absolut hysterisch und sie merken, dass sie dich weich geklopft haben.
  • Tipp 3: Niemals rennen, auch nicht, wenn das Telefon klingelt. Einmal rief mir ein Schüler hinterher „Lassen Sie die T*** wackeln!“ – Ich war sehr neu hier und hatte es sehr eilig. Ich bin nie wieder gerannt. Das wirkt, als habe man die Lage nicht im Griff und macht sich selbst zum leichten Ziel.
  • Tipp 4: Den Schüler/Kunden sehen. Ihn wahrnehmen, sich Zeit nehmen – und wenn schon jemand ansteht, mit dem einen neuen Termin machen. So wissen Kinder und Jugendliche, dass sie wichtig sind und ich mich wirklich mit ihren Belangen beschäftige. Das geht halt nur, wenn ich nicht im Stress bin. Notfalls sende ich Medientipps per Mail. Ich brauche Ruhe zum Recherchieren und manchmal muss man mit einem Schüler eben eine kleine Weile sprechen, um zu erfahren, was genau das Thema eigentlich ist. Das entschleunigt und gibt dem Ganzen auch Bedeutung – und ob man’s glaubt oder nicht – man schafft am Ende des Tage mehr.
  • Tipp 5: verzeihen können. Jugendliche entwickeln sich und auch wenn du genau weißt, dass der/die SchülerIn vor 2 Jahren irgendwas Fieses gemacht hat, er/sie weiß es meist gar nicht mehr und es ist oft nicht persönlich gemeint. Das sind dann die, die dich noch Jahre später beim Einkaufen grüßen!

Und wie schaffe ich es, dass in der Bücherei eine gewisse ruhige Arbeitsathmosphäre herrscht? Heißes Thema, in der Fachwelt viel diskutiert! Warum Ruhe? Trends wie Makerspace sollen Bibliotheken zu Lernzentren im praktischen Erfahren machen und warum muss es dann immer –PSSST- leise sein? …. Ähm, weil ich ein Mensch bin und hier arbeiten muss. Weil permanenter Krach krank macht. Und weil die Bücherei der einzige (!) halbwegs ruhige Ort in dieser riesigen Schule ist. Wir haben 1800 Schüler, dazu Lehrkräfte usw. In den Pausen ist es im Förderstufenbereich höllisch laut. Aber auch in der Oberstufe geht es zeitweise sehr laut her. Ist ja auch in Ordnung, nur sollte es für uns alle zumindest eine Rückzugsmöglichkeit zum Lernen, ausruhen und Luft holen geben. Und wenn die nicht mitmachen wollen?

Meine beliebtesten Maßnahmen für mehr Ruhe:

  • Tipp 1: Nett darauf hinweisen – wenn es bekannte Gesichter sind, die unsere Regeln sehr gut kennen, auch gern deutlicher.
  • Tipp 2: Immer eindeutig und bestimmt bleiben, nicht zu viele „ach könntet ihr bitte vielleicht…“ – wir sind quasi im Dschungel und eigene Angst und Unsicherheit riechen die!
  • Tipp 3: Rausschmiss, bei Wiederholungstätern gern auch ohne Vorankündigung. – Altbacken, total überholt, wirkungsvoll.
  • Tipp 4: Die beste, weil wirklich schönste und kreativste Art aber: androhen eines Spoilers, z.B. wer bei Game of Thrones als nächster sterben wird!
Nov 22, 2016 - Schulalltag    No Comments

Ommmmm

Mittagspause. Stühle rumsen, eine quietschige Stimme singt aus einem Handy, Analysis wird erklärt (immer und immer und immer wieder). Die Alarmanlage an der Tür geht los, denn kleine Reclamhefte passen so hübsch unbemerkt in die Kapuze des Kumpels, der gerade rausgeht. Eine johlende Gruppe verkündet ALARM. Es regnet schon den ganzen Tag: der Boden ist von Matsch, Blättern und Brotkrümeln verklebt und – ach was quietschen Schuhsohlen so herrlich auf Linoleum, wenn sie nass sind

Ja, es ist einer dieser Tage, die zwar sind wie viele andere – und doch komplett anders. Denn ich bin heute anders. Meine Hut-Schnur ist kürzer als sonst, mein innerer Kern brodelt und ich weiß, ich muss jetzt richtig arbeiten, richtig aufpassen, dass ich nicht explodiere und dann den Falschen angehe. Die johlende Gruppe wird mehr oder minder schnell der Bücherei verwiesen, nur um dann von außen noch einmal wütend gegen die Scheiben zu hämmern. Und dazwischen: diejenigen, die lernen wollen. Dieje, die eine Frage haben und Hilfe brauchen und die, die was ausleihen wollen oder mir nur erzählen wollen, wie schön sie das grad gelesene Buch fanden. Das Hin und Her zerreißt mich. Die Lieben bitte ich manchmal, in einer ruhigeren Minute wieder zu kommen, denn ich will auch wirklich hören, was sie mir erzählen und mir Zeit nehmen. Und dann giggeln sie wieder, die Mädchen. Sie kreischen und quieken, weil die Bravo manchmal eben doch mehr zeigt, als sie erwartet hatten.

Und ich denke an diesen Blog und daran, wie ich gleich hier erst mal alles rauslassen muss, um nicht zu explodieren…

Sep 23, 2016 - Schulalltag    No Comments

Schhhhh….. – Klischees sind so ätzend, und wahr.

Als Schülerin bin ich nachmittags oft in unsere städtische Bibliothek gegangen und habe mich dort mit Freundinnen zum Spielen getroffen. Und zwar ging es meist um das Spiel Halli-Galli. Wer es nicht kennt: es geht um schnelles Kopfrechnen von Obstsorten und eine Glocke. Eine GLOCKE! *RRRing* *RRing* *RRRIIIIING*

Die arme Bibliothekarin, es tut mir so leid…

Ich habe hier in meiner „eigenen“ Schulbücherei vor Jahren auch Schachspiele, Brettspiele und Uno usw. für Freistunden verliehen und so waren öde Nachmittage immer einen Besuch mit Freunden in der Bücherei wert. Das klappte etwa zwei Jahre wunderbar, es kreiste schon die Idee in meinem Kopf, ein Spielezimmer einzurichten. Dann wurde es bei einigen Spielern sehr laut, sogar Schach war zu einem lautstarken anfeuerungswürdigen Turnier geworden. Prinzipiell super, wenn sich Schüler so für Denksport begeistern können! Lernen und stilles Lesen war für andere aber nicht mehr möglich. So haben wir zeitweise als Strafe die Spiele mal nicht verliehen und dann eben wieder doch. Zu Beginn des letzten Schuljahres (und mit dem Arbeitsbeginn zweier neuer Kollegen) habe ich dann beschlossen: Schluss. Keine Spiele mehr. Ich kann nicht mehr.

Meine Schmerzgrenze bzgl. Lärm ist in den letzten Jahren stark gesunken. Wie absurd ist das denn? In einer Bibliothek! Doch nach einem meist trubeligen Vormittag will man doch nachmittags endlich in Ruhe seine Bücher katalogisieren, wichtige Briefe oder Mails tippen, Klassenveranstaltungen vorbereiten oder an der Schulzeitung basteln. Stört mich dann auch nur ein unschuldiges Gekicher einer Achtklässlerin … könnte ich ausrasten! Völlig übers Ziel hinaus, ich weiß, aber ich bin dann einfach nervlich nicht mehr so stabil wie morgens 8 Uhr und so ist meine Rauswurfquote ab 13 Uhr deutlich höher als vormittags 🙂 Jaja, beliebt mache ich  mich damit nicht. Ich verwarne auch meist vorher. Aber bei Wiederholungstätern, die dann auch noch anfangen zu diskutieren und dreist sind, sehe ich rot und der Rausschmiss kommt ohne Vorwarnung. Mittlerweile rege ich mich nicht mehr auf (zumindest arbeite ich daran…), die Herrschaften werden nett gebeten, zu gehen und meist klappt es auch ganz gut.

Ich möchte nicht so gereizt und lärmempfindlich sein und oft meckern, ich mag mich dann manchmal selber nicht leiden. Meist muss ich halt auch für Ruhe sorgen, damit andere ungestört lernen können, aber manchmal und wirklich nur ab und zu… brauche ich Ruhe einfach für mich!

Am besten ist es übrigens, wenn ich grad alle ruhig bekommen habe und seit einigen Minuten Frieden und Ruhe herrscht – und dann die Schulleitung Türe schmeißend, laut lachend und ohne Rücksicht durch die Bücherei trampelt… 😀