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Sep 16, 2016 - Schulalltag    No Comments

Wie alt schätzen Sie mich denn?

… bei Schülern eine einfache Geschichte: immer abschätzen, dann ein bis zwei Jahre oben drauf packen und schon freut sich derjenige. Auf der anderen Seite, also bei Kollegen oder mir selbst, wird es schon heikler. Ich arbeite seit meinem 23. Lebensjahr an dieser Schule und wurde damals im ersten Jahr von einem Mädchen aus dem 7. Jahrgang gefragt, ob das eigentlich meine Tochter sei, die in ihre Parallelklasse geht. Vielleicht war Mathe auch nur einfach nicht so ihr Ding, oder ich hatte eine echt harte Woche!

Ich arbeite mit teilweise mit Jugendgruppen an verschiedenen Projekten rund ums Lesen und Schule und wenn mich dann mal einer mit „Du“ anspricht, nehme ich es einfach als Kompliment – wow, ich wurde in ihre Peergroup aufgenommen! Generell möchte ich es mit Schülern aber beim Sie belassen – also sie mich, denn ich kann sowieso nicht auseinander halten, ob die Person vor mir die zehnte Klasse oder die zwölfte Klasse besucht – und nicht immer würde das auch einen Vorteil bringen. 17-Jährige kann es in beiden Jahrgängen geben…

… bei Kollegen und der Altersfrage habe ich einen großen Vorteil: sie melden sich bei mir mit ihren Daten an! *hehe* Nur sitze ich nicht immer an meinem Rechner. Und gerade bei jüngeren neuen Kollegen fällt es mir teilweise schwer, sie überhaupt als Kollegen zu identifizieren! Einfach in die Bücherei zur Unterrichtszeit hereinstürmende Klassen halte ich grundsätzlich erst mal im vorderen Bereich auf, um die anderen Bibliothekskunden nicht zu stören und erkundige mich nach ihrem Anliegen. Manchmal sind die Truppen allerdings so laut, dass ich mich erst mal lautstark nach dem betreuenden Lehrer erkundigen muss. Blöd halt, wenn der dann mitten drin steht und ich ihn gar nicht als Lehrer wahrgenommen habe…

Dann ist da noch diese fiese deutsche Geschichte von wegen Duzen/Siezen. Da ich anfangs die Jüngste im Kollegium war, habe ich alle ehrfurchtsvoll gesiezt. Bei einigen Kollegen ging es dann zum Du über. Für die Umgewöhnung brauche ich immer mehrere Wochen. Mittlerweile und mit fast 31 Jahren gelingt es mir meist sehr gut, die neuen Kollegen schnell zum Duzen zu bewegen, weil das in der Schule ja im Kollegium meist üblich ist und ich mir dann immerhin nicht alles zweimal einprägen muss – bei über 120 Kollegen ist das Arbeit!