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Auslaufmodell Musik-CDs?

fullsizerenderMusik spielt im Leben von vielen Jugendlichen eine zentrale Rolle. Darum bieten wir seit Beginn Musik-CDs zur Ausleihe an. Da wir natürlich modern bleiben wollen mit dem Angebot, werden Jugendliche beim Bestandsaufbau stark eingebunden und nicht entliehene CDs fliegen aus dem Bestand. Nun war die Anzahl der Null-Ausleihen vom vergangenen Jahr aber extrem hoch (ca.60) und wir müssen überlegen, ob sich CDs in unserer Zweigstelle noch lohnen. In der Erwachsenenbibliothek funktionieren sie noch, aber im Jugendbereich sind Musik-CDs derzeit tot. Jugendliche streamen und legen keine Datenträger mehr ein. Und sowieso: wenn die CD eingearbeitet ist, ist sie kaum noch aktuell (für Jugendliche!). Also: wir werden die CDs wahrscheinlich auslaufen lassen, der Hauptstelle spenden und unser Geld künftig sinnvoller einsetzen.

Hoch mit dem Leseknick!

Die Leseforschung kennt 2 Leseknicks: der erste kommt oft in der Grundschule, wenn Kinder merken, dass Lesen erst mal anstrengend ist. Dann flutscht es (hoffentlich) und die Kinder werden Leseratten und brauchen viel Lesefutter. Spaß am Lesen steht im Vordergrund! Wer diese Phase nicht erlebt, wird selten im erwachsenen Alter zum Leser. Diese Hochphase bricht oftmals in Klassenstufe 5-6 ein, weil dann die Pubertät beginnt und einfach andere Dinge im Fokus stehen. Lesen ist jetzt eher uncool und im Freundeskreis traut man sich nicht mehr zuzugeben, falls man Bücher immernoch liebt.

Und nach der stressigen Schulphase, oft in der Oberstufe oder auch Ende der Mittelstufe, steigt die Leselust wieder an – vorausgesetzt, man hatte eine Vielleserphase Mitte/Ende der Grundschulzeit. Das Wieder-Liebhaben-von-Büchern setzte bei mir persönlich eher spät ein, da war ich bereits im Studium, aber immerhin. Dort war es quasi Gruppenzwang, zu lesen 😉

Nun war gestern Abiturient an meiner Theke, der gerade diese Hochphase hat und jetzt so langsam wirklich Qualität von Literatur für sich entdeckt. Die großen Namen wolle er nun alle lesen, wenn möglich, in Originalsprache. Und dann kam da dieses leicht verächtliche Herabschauen, weil ich mit den Kids über Greg, Minecraft und DORK-Diaries fachsimpele. Denn ER habe jetzt natürlich den Olymp erklommen und liest nicht mehr solche pillepalle-Romane. Gesagt wurde das natürlich nicht, aber im Gespräch schwang mit, dass die Bücherei zu wenig Qualitatives biete.

Diesen Spagat hinzubekommen, ist nicht immer leicht, aber wir versuchen, Klassiker von Orwell & Co unter die modernen Medien zu mischen und so für viele Geschmäcker etwas zu bieten.

(Der Kunde hatte im übrigen vor einigen Jahren selbst die Vielleser-Phase und hatte damals genau dieses niederschwellige, einfach Spaß machende Leseangebot angenommen, das ihn nun zurück zur Literatur zurück geführt hat. Die letzten seiner 3 Kundenwünsche wurden von uns im Übrigen natürlich erfüllt.)