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Jan 6, 2018 - Schulalltag    No Comments

Ich bin jetzt eine K-N-K-B *lol*

Den Titel haben sie nicht glücklich gewählt, das gebe ich zu. Ich darf mich seit Ende November Kompetenznachweis-Kultur-Beraterin nennen. Immernoch nicht klar? Na Softskills halt. Der Nachweis ist dafür da, zu zeigen, was Jugendliche drauf haben – auch, wenn die Mathenote eine andere Sprache spricht. Denn jeder hat irgendwas, dass er/sie gut kann. Und da kommt der KNK ins Spiel.

Für die Jugendjury (JuLiD), die Literanauten und unsere Schulzeitung ist ein solches Zertifikat jetzt geplant. Nur Positives steht dann drin. Es geht darum, dass der/die Jugendliche selber sehen lernt, was er/sie so alles eigentlich leistet und gut kann. Und das ist eine ganze Menge! Für die Ausbildung zur KNKB (;-)) habe ich es an einem Pilotprojekt zusammengetragen und da kommt ganz schön was zusammen. Für mich auch besonders toll: ich lerne die Jugendlichen mal von einer anderen Seite kennen, denn in der Beobachtungsphase lernt man, genauer hinzusehen. Eine schöne Nebenwirkung auch im Privaten. Der laute Schreihals ist manchmal auch einfach nur unsicher und vertuscht das mit Blödeleien. Für mich (und hoffentlich dann bald auch die Jugendlichen) ist der KNK eine absolute Bereicherung!

(Foto: beim Workshop entstanden) Mehr zum KNK hier.

Mrz 21, 2017 - Leseförderung    No Comments

Mist, Mist, Mist, Mist, super, Mist

Ein Lob einbetettet in viel Kritik kann man auch gleich lassen. So konnte ich vor einigen Tagen wörtlich zusehen, wie das nett gemeinte Feedback einer Horterzieherin meiner Jugendgruppe die Mundwinkel gefrieren ließ. Die Veranstaltung war weitestgehend eigenständig von 16-Jährigen Mädels für 12 Grundschulkinder organisiert worden und lief wunderbar. Es gab viel Begeisterung, gute Laune, Bewegungspiele, Lesepassagen und Basteleinheiten. Und doch gab es kleine Dinge, die nicht super liefen. Mal ein bisl schnell gelesen. in Thema, dass eher die Mädels angesprochen hatte. usw. Ja und?

Mich und die Jugendlichen hat die direkte Negativkritik schnell aus unserer Euphoriewolke nach der gelungenen Veranstaltung gerissen und bislang ist fraglich, ob die Mädels sich noch für weitere Veranstaltungen motivieren lassen. Nicht, dass die Kritik nicht gerechtfertigt gewesen wäre, das waren alles Dinge, die ich auch so nochmal angesprochen hätte – eben nach 2 Wochen, damit die gute Energie nach der Veranstaltung noch anhalten kann und wieder neue Motivation für das nächste Event schürt.

Nun muss ich die Mädels erst mal aufpäppeln und ihnen zeigen, dass sie wirklich großartig waren. Nur wie?

 

Dez 20, 2016 - Schulalltag    No Comments

Petzen oder nicht petzen?

Soll ich’s sagen?

Leute verpfeifen sind nicht gern gesehen, nicht mal bei Lehrern. Kinder mit feinem Gespür für Unrechtes kriegen so auch noch eins auf den Deckel. Und wenn man selber als Schulbibliothekarin petzen möchte? Oftmals verschmelze ich für Schüler quasi mit dem Mobilar. Ich werde, während ich so an der Ausleihtheke einscanne und vor mich hin tippe oder Bücher putze, gar nicht als Person wahrgenommen. Das ist nicht mal böse gemeint: ich und die Bücherei, wir sind in Schüleraugen quasi ein einziges Gebilde. Und dass ich so manches mitkriege, wenn sich Schüler unterhalten, ist vielen gar nicht bewusst. Wenn Gespräche dann doch etwas zu intim werden, was hinter vorgehaltener Bravozeitung mit der besten Freundin durchaus mal geschehen kann, gebe ich immerhin ab und zu den Hinweis, dass unsere Räumlichkeiten sehr hellhörig sind und ich manches nicht wirklich wissen will. Aber das sind ja mehr witzige und ab und zu durchaus interessante Situationen.

Heikler für mich in meine Dienstpflicht sind da schon eher die Situationen, wenn ich direkt mitbekomme, wie Schüler Spicker vorbereiten oder sich Tipps geben, bei welchem Lehrer was funktioniert, um Klausuren oder Tests einfacher oder ohne Lernen zu meistern. Spicker kopieren tu ich auch nicht, und ehrlich, das haben wirklich schon viele versucht. Die Schrift der Leute sei halt nun mal klein. Ganz ehrlich, wenn man schon spicken will, dann sollten sich Schüler wenigstens die Arbeit machen, den Spicker selber zu schreiben… Bibliothekare in Öffentlichen Bibliotheken haben es da etwas leichter, denn sie kennen die Leute nicht, über die da getratscht und gepöbelt wird.

Manchmal kann ich halt nicht widerstehen…

Gestern blieb ein Notitzblock in der Bücherei liegen. Ich wollte es dem Schüler wieder zurückgeben und suchte nach Hinweisen für die Identität des Eigentümers. Die fand ich zwar nicht, dafür aber dafür viiiele vorgeschriebene Entschuldigungszettel für einen ganz bestimmten Lehrer. Bereits fertig unterzeichnet, nur das Datum musste noch eingesetzt werden. Was sollte ich denn nun machen? Der arme Schüler sollte doch seine Unterlagen zurückbekommen. Der Lehrer hatte also alles heute Morgen auf seinem Tisch im Lehrerzimmer…

Schülersprüche über Lehrer – scherzhaft oder zu viel?

Wenn lautstark über Lehrer hergezogen wird, gibt es eine unsichtbare Grenze für mich und wenn die überschritten ist und die Gespräche dann ausufern, dann schreite ich in die Gespräche durchaus auch ein. Ein ehemaliger Schüler äußerte sich einst mehrfach besonders abfällig über einige Lehrkräfte. Er war seit Jahren ein super Schüler, aber sozial gesehen eher dreist, derb und teilweise unterstes Niveau. Und er war im Schützenverein. Wenn so jemand nun „scherzhaft“ meint: „den kannste nur noch abknallen“, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Dabei sind es selten die, die laut tönen, trotzdem, ein ungutes Gefühl war immer da. Besagter Schüler wird übrigens selbst bald Lehrer…

Dez 13, 2016 - Schulalltag    No Comments

Thekengeplauder

Eine halbe Stunde an der Theke in Zitaten verschiedener Kundinnen und Kunden:

  • „Laptop!“ – „Auch einen guten Tag, kann ich dir helfen?“
  • „Hört man hier den Gong?“ – „Ja, vor 5 Minuten ging die Stunde los.“
  • „Darf ich auf Klo?“
  • „Ich hab nichts gemacht!“
  • „Also ich hab jetzt gelernt. Ich kann das, nur inhaltlich halt nicht.“
  • „Tim hat einen Stäääääänder!“
  • „Mein Freund hier sucht die Blockopedia“ – „Dein Freund hat seine Zunge verschluckt?“ – guckt verständnislos zurück
  • „Guck mal, ich hab ne neue Zahnspange“ – sprachs und zeigte sie mir in der Hand (immerhin: glitzerlila!)
  • „Meine Freundin braucht für die Kopier ein wenig Blatt.“
  • „Ich will was kopieren“ – „Dann komm mal mit zum Kopierer“ – „Nee, mit dem Laptop kopieren“
  • „Kann ich das W-Lan-Passwort haben?“
  • „Welche Stunde haben wir?“
  • „Darf ich auch mehr als ein Buch auleihen?“
  • „Kann ich die Poster aus der Zeitschrift haben?“ – „Nein, bitte nicht“ – „Oh, ich hab sie schon rausgerupft“
  • „Der zeigt mir immer so eklige Sachen in der Bravo!!“
  • „Haben Sie auch so Bücher über Geschichte? Also von ganz früher und so?“
  • „Schhh, die guckt!“
  • „Das Klo ist verstopft.“

 

Und plötzlich hauen sie dich um!

Sie, die lauten, nervigen Schüler, die immer was wollen und meist keinen Bock haben – DIE sind es auch, die dich plötzlich flashen! In dieser Woche hatte ich schon 3 Wow-Erlebnisse dieser Art:

  • für die Schulzeitung werden wir über den Schulkeller berichten. Öde? Finden die Erwachsenen. Für Jugendliche/Kinder ist es ein Abenteuertrip in die Katakomben der Schule! Was gibts da unten zu entdecken? Was wird da alles gelagert? Wie riecht es? Kommen wir hier wieder heile raus? 😉 Das waren unsere Fragen. Eine sehr engagierte Schülerin ging aber einen Schritt weiter: sie rief beim örtlichen Bauamt an und erkundigte sich nach Bauplänen, statischen Fragen usw. Waas? Ja, hat sie getan. Nicht unbedingt von uns forciert, aber irgendwie witzig.
  • Dann betreue ich eine Gruppe Jugendlicher, die 1-2x pro Jahr Lese-Nachmittage für Kinder gestalten (unsere Literanauten). Mit den Teilnehmern einen Termin zu machen, ist unfassbar schwierig. Gestern konnten immerhin 3 von 4 Leuten und wir haben gebrainstormt. Und wir haben geplant und richtig krass viel gearbeitet und nach gerade mal 90 Minuten hatten wir ein Konzept, dass abwechslungsreich, thematisch passend, zielgruppengerecht und pädagogisch und doch spielerisch jugendlich war. Ich war zuteiefst beeindruckt, zumal die meisten Ideen von den Jugendlichen selbst kamen.
  • Und das dritte Wow-Erlebnis schlich sich so ganz langsam ein. Jugendliche, die wirklich mal zuverlässig sind, die langfristig Projekte mit stemmen! – Und dann schrieb ich ihnen ein Teilnahmezertifikat und dachte: So viele Jahre sind die schon aktiv? Und ich kann ihnen nur so ein olles Zertifikat ausstellen?
    Vergangene Woche habe ich mithilfe des AKJ e.V. eine Ausbildung begonnen, die es mir ermöglicht, genau diesen Jugendlichen dann einen Kompetenznachweis in die Hand zu geben, der in einem genau vorgegebenen Verfahren mit dem Jugendlichen erarbeitet wird und dann für Bewerbungen usw. einen hochwertigeren Nachweis ihrer ganz persönlichen Stärken darstellt. So kann ich zumindest ein wenig zurückgeben.
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