Archive from Oktober, 2017
Okt 31, 2017 - Schulalltag    No Comments

Medienkompetenz? *aaaargggh*

Die „Digital-Natives“ surfen sich von der Weimarer Republik über den Lebenslauf und die Klausur alles zusammen, was sie brauchen und müssen nicht mehr wissen, WAS sondern WO. Das Problem: schon die Unterscheidung zwischen Betriebssystem und Browser ist nicht klar. Eine Mail zu schicken, eine Herausforderung, von Mailanhang brauchen wir gar nicht reden. Dass unser Bücherei-Drucker nicht direkt vom privaten Smartphone drucken kann (noch dazu nicht mal in Farbe), ist absolut hinterwäldlerisch in den Augen der Jugendlichen. Ein Scan, eine Kopie oder ein Ausdruck – wo ist der Unterschied? In Gedanken habe ich schon so oft den USB-Stick der Schüler auf den Kopierer gelegt, aber ich fürchte, sie würden den Witz dahinter nicht mal verstehen.

Eine Schülerin wollte grad ihren Lebenslauf drucken – da hat ihr unser Schul-System, das auf den Rechnern ist, einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn direkt aus dem Netz kann nicht gedruckt werden bei uns…

 

Ein Schauspiel 😀

 

„Speichern, ja, ähm, aber das ist doch hier.“

„Ja, aber eben nur online, du musst das runterladen.“

„Hä?“

„Okay, von vorne. Auf welcher Seite bist du?“

„Äh, keine Ahnung, die hier.“ (Xing) „Da hab ich grad aber was eingegeben und der macht das einfach nicht.“

„Der nutzt die Daten, die du vorher eingegeben hast und erstellt einen Lebenslauf gleich im fertigen Design.“

„Wie meinen Sie das?“

„Hast du den Lebenslauf selber geschrieben?“

„Ich hab da drauf geklickt, dann war das da.“

„Genau, aber du kannst nichts verändern und drucken geht nicht wegen diesem System, das wir auf den Rechnern haben.“

„Aber ich will das nur fix drucken“

[ich atme tief durch]

„Pass auf, komm mal mit an meinen Rechner, druck es da, ich hab keine Sperre für Websites.“

[gesagt, getan, Website aufgerufen, ich hole mir Kaffee]

„Wie seh ich jetzt meine Daten?“

„Du musst dich anmelden“

„Ach so. […] Alles ist weg, der hat nichts gespeichert.“

„Hast du morgen Nachmittag Zeit? Ich zeig dir mal ein Programm, damit kann man schreiben und dann schickst du dir das als E-Mail.“

„Ich hab keine Mailadresse.“

„Wie bist du bei Xing angemeldet?“

„Aaah, aber ich weiß das Passwort nicht.“

 

[Ausschnitt zu Ende, das führt einfach zu weit…]

Okt 24, 2017 - Uncategorized    No Comments

Ruhig bleiben – trotz Energydrinks

Eins vorweg: ich habe mich lange für die freie Handynutzung an unserer Schule stark gemacht – wenn sie mit einhergeht mit dem Lernen der kompetenten Nutzung. Ich bin für Lachen, Kreischen, Rennen usw. in den Pausen, das muss halt mal raus. Aber die eine Pause neulich hat mich einfach fertig gemacht.

Vor einigen Monaten hatte ich einen starken Migräneanfall, sodass ich einige Tage im Krankenhaus war. Die Ursache: Stress, der gerade abfiel. Mein Resultat: den Stress im Alltag kann ich nicht vermeiden, ich muss anders damit umgehen (Meditieren und Achtsamkeit und so Kram) und wenn’s schlimm ist, schreibe ich einen Blogeintrag ;-). Ich strukturiere meinen Tag jetzt etwas anders, nehme „nervige Schüler“ eher als Chance auf ein nettes Gespräch und komme eigentlich mittlerweile viel besser klar im Alltag. Doch gegen Energydrinks und Schokobrötchen hat die innere Ruhe keine Chance:

Vor einigen Tagen hatte ich mit 4 Jungs aus Klasse 6 nochmal besprechen wollen, was in der Bücherei ok ist und was nicht. Sie konnten mir einfach nicht folgen. Die Blicke streiften unruhig umher, das Handy wurde permanent gewischt, rumgekramt und so was. Ich habe versucht, dass sie sich mal eine Minute auf mich konzentrieren – es ging nicht. Und das waren keine Kinder mit irgendwelchen gesundheitlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Einfach Kinder mit unfassbar viel Energie und innerer Unruhe. Keine 5 Minuten nach meiner Ansprache bettelt meine Kollegin um Hilfe mit eben diesen Jungs, weil sie einfach andere aufmischen und sich durch die Regale jagen. Einatmen, ausatmen. Lehrerin schreiben.

 

Nachtrag (3 Tage später): Die Kids haben sich ganz süß entschuldigt mit Karte und so. Sehr nett.

Okt 17, 2017 - Uncategorized    No Comments

Da abholen wo sie stehen

So lautet das Kredo, das ich gelernt habe. Hol den Kunden da ab, wo er ist. Bei Jugendlichen heißt das: Emoji-Attacke! 😀

buecherei_julid_emoji

 

PS: Bei dieser Vorgabe ist der Grad zwischen „hey cool“ und „Anbiederei“ natürlich sehr schmal. Darum verteilen wir diese Grafik auf altmodischen Postkarten mit dem aktuellen Termin des nächsten Treffens. Quasi live und in Farbe JuLiD begegnen 😉

Okt 3, 2017 - Uncategorized    No Comments

Einmal Ihre Zeit bitte

Die Nachmittage sind sehr ruhig bei uns, einige machen noch Hausaufgaben, manche lernen, andere warten auf die Mitfahrgelegenheit und lesen ein wenig. Und einige kommen alle 2 Minuten an die Theke, um irgendwas zu fragen. Dabei spielt es eigentlich auch keine Rolle, ob man wirklich helfen kann. Es geht schlicht um die Unterhaltung. Diese Kinder sind auch oft sehr lieb und nett – und unglaublich anstrengend, wenn man einfach eine E-Mail zu Ende schreiben möchte 😉

Mit Fingerspitzengefühl heißt es dann, Hilfe zur Selbsthilfe, Anregungen zur eigenen Beschäftigungen geben oder sie direkt einspannen. Denn auch Bücher folieren können Kinder sehr toll! Oder aus alten Büchern kreative Dinge basteln, das macht vielen Spaß und bringt für eigene Medientische tolle Deko. Früher war ich nur genervt, heute versuche ich, diese Kinder und ihre Kreativität manchmal einzubinden und zu nutzen. Geht freilich nicht immer.