Archive from Januar, 2017

Haut die Bücher weg!

Ja, es klingt radikal. Und ja, es ist notwendig. Und ja, es geht auch nur, wenn man genug Neues wieder reinbekommt – aber: schmeisst die alten Bücher raus! Vor allem Jugendbibliotheken leben von einem ansprechenden, modernen Bestand. Medien, die man gern in die Hand nimmt, die Lust auf mehr machen, sollten unsere Regale schmücken und schließlich auch mit heim wandern. Viele (Schul-)Bibliotheken horten gerne, denn „ich kann doch ein Buch nicht einfach wegschmeißen!!“. Na klar, du kannst und du solltest! Jährlich wandern aus „meiner“ Mini-Bibliothek einige hundert Medien raus – und einige hundert wieder rein. Das geht nur mit Etat oder kreativen Geldeintreibtechniken – oder einer gut laufenden Jugendjury.

Die Vampirwelle ist lange durch, das Regal befindet sich derzeit kurz vor der Auflösung. Einiges kommt auf unseren Bücherbasar oder wird zu Basteln verwendet, anderes bekommt im Mystery- oder Fantasy-Regal noch eine Chance. Und klar, Klassiker sollten auch wir da haben. Aber dann bitte in einer ansprechenden Optik. Für alle, die hadern: wenn das Buch bereits muffelt, ist es zu alt. Wenn das Buch älter ist als deine jugendliche Zielgruppe und zwei Jahre keine Ausleihen mehr gebracht hat – raus damit. Wir schulden es all den tollen Buchperlen, die sonst untergehen. Ich plädiere für luftige Buchregale voller Hauptgewinne, statt vollgestopfter Archive, in denen die wenigen Neuanschaffungen untergehen.

Klar ist es auch mir schon passiert, dass genau eine Woche nach Makulatur dann ein Buch wieder angefragt wurde, aber das ist eher selten. Unsere Mangas hatten zwei Jahre komplette Flaute und erleben derzeit einen neuen Boom. Einiges musste ich einfach mal aussitzen und aushalten. Ich setze an jedes Regal, also an jeden Interessenkreis, auch einen angepassten Maßstab, welche Ausleihzahlen noch annehmbar sind und welche nicht. Geschichtsromane sind wichtig und oft zeitloser als andere, genau wie bei Fantasy. Nur unterscheiden sich beide Themen erheblich in ihren Umsatzzahlen. Es gibt offizielle Kriterien, Maßstäbe und Tabellen – für uns sind die aber fast unbrauchbar! Die Simpsons-Comics sind zerschlissen und viel genutzt – bei 2 Ausleihen im Jahr. Nicht alles lässt sich in Tabellen abbilden.

Sogar Kollegen der Schul-Fachbereiche bitten mich mittlerweile um Hilfe beim Entrümpeln vergammelter Fachschränke. Ich habe wohl mittlerweile einen gewissen Ruf auf diesem Gebiet *grins* Morgen geht der Frühjahrsputz durch die Regale weiter, ich freu mich, wenn die Regale wieder atmen können und die Buchperlen sich besser zeigen 🙂

 

Jan 27, 2017 - Leseförderung    No Comments

Die stempelnde Bibliothekarin ist zurück!

Ich habe eine Tasse, so eine mit meinem Berufsbild drauf. Die, die man geschenkt bekommt, weil der andere zufällig weiß, dass man Bibliothekarin ist. Ich besitze auch ein unfassbar hässliches Bibliothekar-Räuchermännchen, aber das nur am Rande. Auf diese Tasse ist davon die Rede, dass Bibliothekare typischerweise stempeln. Ich hab das noch nie gemacht. Was soll ich auch stempeln? Obwohl – für geprüfte Rechnungen hab ich mir mal einen Stempel angefertigt, weil es genervt hat, fast täglich „Sachlich und rechnerisch richtig“ zu schreiben. Aber sonst?

Das ändert sich jetzt! Seit einigen Monaten haben wir Sammelheftchen für unsere probeleser-aussenFünftklässler eingeführt, in dem sie Bonusstempel sammeln können für Gelesenes. Bücher, Zeitschriften, kurze Geschichten, egal – sehr niederschwellig und belohnend soll das Projekt „Probeleser“ wahrgenommen werden. Eine Schülerin hat uns ein schönes Logo gezeichnet und stellte es uns für die Gestaltung des Stempelheftchens zur Verfügung. Für 10 Stempel gibt es einen Wahnsinnspreis im Wert von etwa 50 Cent. Und es funktioniert! Und wie! Wir hatten gleich zu Schuljahresbeginn über 60 Anmeldungen. Nach 5 Monaten sind immerhin 25 aktive Probeleser noch dabei. Sogar ein Siebtklässler aus einer Hauptschulklasse sammelt mit und hat gerade sein drittes Stempelheft begonnen. Die Preise sind den Teilnehmern nicht wirklich wichtig. Vielmehr genießen die meisten das Gespräch mit mir über die Bücher. Sie sind stolz, ein ganzes Buch oder zumindest viele Artikel einer Zeitschrift gelesen zu haben! Und da ist jemand, der ihnen staunden zuhört. Nebenbei lernen die Teilnehmer mit der Zeit, Inhalte prägnant zusammenzufassen – absoluter Selbstschutz für uns! – und können auf das bereits „geschaffte“ stolz in dem Stempelheft zurückblicken.

Vielleser machen auch mit, sind aber eher die Ausnahme. Überraschenderweise schlug die Aktion vor allen bei denen an, die Bücher mögen, aber eben einfach langsam sind und denen das Lesen allgemein schwer fällt.

Ausleihulla auf Achse

Ab und zu pack ich mein Säcklein und ziehe in die große weite Welt. Die große weite Welt ist manchmal auch in Dreieich, dort fand das letzte AKKJ-Treffen statt. Mit Fachkolleginnen aus dem Rhein-Main/Taunus-Gebiet tauschen wir uns mehrmals jährlich aus. Aus diesen Treffen nehme ich viel mit, die Probeleser-Aktion (eigener Artikel hierzu bald) ist so entstanden. Und unsere JuLiD wird dadurch im Gebiet bekannter.

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Besuch in der Internationalen Jugendbibliothek in München

Doch auch nach Fulda und München hat es mich im Herbst gezogen. Fortbildungen und Teamertreffen von Projekten. Ich mag Fortbildungen und hasse sie doch gleichzeitig. Toll, dass ich mich dort mit Fachleuten austauschen kann. Toll, dass diese Fachleute nicht immer Bibliothekare sind. Und blöd, dass ich aus meiner lieb gewonnenen Routine gerissen werde. Mein Alltag, meine vertraute Umgebung, ja, ich bin ein Gewohnheitsmensch. Und dass diese Scheuklappen ab und zu weg müssen, weiß ich ja und darum fahr ich auch ab und zu zu solchen Veranstaltungen. Und ich bin froh, dass meine Schulleitung das auch so sieht. Schließlich kann es auch sein, dass ich für die Bücherei an solchen Tagen keine Vertretung organisiert bekomme. Doch meistens klappt das – und wenn nicht, dann wird man wenigstens mal so richtig vermisst. Oder der Kaffee der Bücherei.

Jan 17, 2017 - Schulalltag    No Comments

Und ich nerve und nerve und nerve…

Neben der Büchereiarbeit hab ich vor einigen Jahren das Layouten unserer Schulzeitung übernommen. Nein, keine Schülerzeitung, dazu machen wir Erwachsenen zu viel mit. Aus dem „Layouten“ wurde leider schnell das Hinterherrennen von Schülern und Kollegen, damit die angekündigten Texte und Bilder möglichst vor dem Gang zur Druckerei kommen. Damit mache ich mir entweder Feinde – echt, eine Schülerin ist derzeit auf mich sauer, weil ich 5 Wochen nach Redaktionsschluss mal die Reißleine ziehen musste – oder ich bin das wandelnde schlechte Gewissen. Im Gang sehen mich Kollegen an und sofort weichen sie mir aus oder geben zerknirscht zu, einen versprochenen Artikel nun doch nicht mehr geschafft zu haben.

Wir haben alle Stress, klar. Aber wieso planen wir den eigentlich nie ein? Wieso kommen jeden Tag unverhoffte Dinge dazu, die die Termineinhaltungen dann doch wieder verhageln? Ich hatte auch solche Phasen, alles war zu viel und immer kruschelte ich was und machte nebenbei tausend Dinge. Ich will ne Kopie machen, oh halt, da ist eine fast tote Pflanze – im Pflanzenkübel liegt aber viel Müll, so, weg damit – ah ja, den Medientisch wollte ich noch machen, welche Bücher brauche ich? Draußen läuft grad die Kollegin, der ich die Mail noch schicken wollte, das mach ich lieber gleich… – wo ist meine Kopie?

Das frustrierte mich ungemein, denn nichts wurde wirklich fertig. Seit ich das für mich erkannt habe, versuche ich, jeden Tag den Schwerpunkt entweder aufs Katalogisieren, Bestellen, Planen von Veranstaltungen, Literanauten oder sonstwas zu legen. Die zu erledigende geplante Aufgabe dauert etwa 60 Minuten. Wenn ich dann nach 8-9 Arbeitsstunden heimgehe, bin ich meist froh, wenn ich die Aufgabe wirklich geschafft habe – denn immer kommt irgendwas und irgendwer dazwischen. Es gibt Kunden, die kopieren wollen, die Fragen haben, Drucker, die kaputt gehen, Klobrillen, die repariert werden müssen (ja, hatte ich heute), Kollegen, die kurz plauschen wollen…

Und ich nehme es nicht mehr persönlich, wenn jemand sauer ist, weil ich versuche, meinen Job zu machen und immer und immer wieder ankomme wegen eines fehlenden Textes. Echt jetzt. Ich bin nicht sauer. Wirklich nicht… pff! ;-P

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