Archive from Dezember, 2016
Dez 30, 2016 - Medien    No Comments

Eine Lesebiografie – Bücher, die mich prägten

Meine ersten richtig heftigen Kopfschmerzen hatte ich in der zweiten Klasse! Ich hatte an einem Samstag gemerkt, dass ich all die Micky Maus-Hefte, die ich schon lange gesammelt hatte, nun auch wirklich lesen konnte! Und an nur einem Tag arbeitete ich mich bäuchlings auf dem Boden durch alle Hefte! Die Stadtbibliothek war da schon lange mein zweites Zuhause und nach den vielen Bibi Blocksberg Kassetten (mal ehrlich, Benjamin Blümchen war doch was für Weicheier) entdeckte ich die Bücher.

unbenannt-1Stolz war ich dann, als ich mit 8 oder 9 Jahren ein komplettes Buch gelesen hatte, an einem Tag! Meine Uroma zollte mir gebührenden Respekt, dass ich die Geschichte von Mogli und Balu so schnell und fieberhaft durchgearbeitet habe. So angestachelt ließ mich das Lesen nicht mehr los. Meine Eltern lasen nicht wirklich viel, aber ich besuchte Zauberschulen mit Harry, lernte Respekt vor Religionen („Um Füße bat ich und er gab mir Flügel“), traf Freitag auf der Insel, erforschte die menschlichen Abgründe mit Christiane F. und Tess Gerritsen, flüchtete mit einem deutschen Kriegsgefangenen quer durchs eisige Russland („So weit die Füße tragen“) und lernte den Dalai Lama kennen („Sieben Jahre in Tibet“). Sogar in die damalige Zukunft ließ mich Orwell blicken…

Mittlerweile, nach Jahren der Jugendliteratur mit „Obsidian“en, „Numbers“ des Todes in Augen, Edwards mit den spitzen Zähnen, miesen Verrätern des Schicksals (Green) und Dystopien ohne Ende, bereise ich Afghanistan („Wer weint schon um Abdul und Tanaya“) und lerne, neue Blickwinkel einzunehmen und über meinen Tellerrand zu blicken. Ich tendiere derzeit mehr zu Sachtexten, eine schöne  Abwechslung zu Komissar Kugelblitz & Co…

Ich lese – es prägt mich – und ich liebe es.

Bibliothekare machen „Häufchen“

Was nix kostet, ist nichts wert – manchmal meint man, das gelte auch für Leseförderung. So viele Kinder- und Jugendbibliothekare machen großartige Projekte und Veranstaltungen, die nicht viel Geld verschlingen. Also kosten sie nicht viel – außer Zeit, Aufmerksamkeit, gute Jugendbibliotheksarbeit. Bundesweite Leseförderprojekte, deren Mittel beantragt werden können, um auch einmal große Ideen umzusetzen, sind aber immer wieder gefährdet, weil sie nicht genug Gelder verbrauchen. Zunächst dachte auch ich, das sei ein Scherz und ich könnte sehr wohl größere Summen ausgeben, aber das geht nur teilweise – Tablets, Buttonmaschine, Autorenhonorare – das reicht nicht immer, so paradox es klingt.

Und wie sollen Leseförderprojekte auch von Fachfremden bewertet werden? Die gesteigerte Leselust oder der Abbau der Hemmschwelle, eine Bibliothek zu betreten, kann nur schwer gemessen werden. Bibliothekare arbeiten meist im öffentlichen Dienst und sind angehalten, mit den Etats sparsam und sinnvoll umzugehen (immerhin sind es meist Steuergelder). Umso schwerer fällt es dann, verschwenderische Großprojekte zu planen – ausschließlich aus dem Grund, damit die Projektförderung für die Zukunft nicht gestrichen wird. Häää?

In vielen Verwaltungsabteilungen ist auch das „Novemberfieber“ auch bekannt. Jetzt alles schnell – nicht zwangsläufig sinnvoll – ausgeben, damit im Folgejahr nur ja nichts gekürzt wird. Ansparen geht nicht, denn es muss kalkuliert werden.

Und so mache ich im ganzen Jahr „Häufchen“: kleine und größere „Wäre nett-Stapel“, wenn unverhofft noch Gelder raus müssen und dann nicht sinnlos rausgehauen werden.

Dez 20, 2016 - Schulalltag    No Comments

Petzen oder nicht petzen?

Soll ich’s sagen?

Leute verpfeifen sind nicht gern gesehen, nicht mal bei Lehrern. Kinder mit feinem Gespür für Unrechtes kriegen so auch noch eins auf den Deckel. Und wenn man selber als Schulbibliothekarin petzen möchte? Oftmals verschmelze ich für Schüler quasi mit dem Mobilar. Ich werde, während ich so an der Ausleihtheke einscanne und vor mich hin tippe oder Bücher putze, gar nicht als Person wahrgenommen. Das ist nicht mal böse gemeint: ich und die Bücherei, wir sind in Schüleraugen quasi ein einziges Gebilde. Und dass ich so manches mitkriege, wenn sich Schüler unterhalten, ist vielen gar nicht bewusst. Wenn Gespräche dann doch etwas zu intim werden, was hinter vorgehaltener Bravozeitung mit der besten Freundin durchaus mal geschehen kann, gebe ich immerhin ab und zu den Hinweis, dass unsere Räumlichkeiten sehr hellhörig sind und ich manches nicht wirklich wissen will. Aber das sind ja mehr witzige und ab und zu durchaus interessante Situationen.

Heikler für mich in meine Dienstpflicht sind da schon eher die Situationen, wenn ich direkt mitbekomme, wie Schüler Spicker vorbereiten oder sich Tipps geben, bei welchem Lehrer was funktioniert, um Klausuren oder Tests einfacher oder ohne Lernen zu meistern. Spicker kopieren tu ich auch nicht, und ehrlich, das haben wirklich schon viele versucht. Die Schrift der Leute sei halt nun mal klein. Ganz ehrlich, wenn man schon spicken will, dann sollten sich Schüler wenigstens die Arbeit machen, den Spicker selber zu schreiben… Bibliothekare in Öffentlichen Bibliotheken haben es da etwas leichter, denn sie kennen die Leute nicht, über die da getratscht und gepöbelt wird.

Manchmal kann ich halt nicht widerstehen…

Gestern blieb ein Notitzblock in der Bücherei liegen. Ich wollte es dem Schüler wieder zurückgeben und suchte nach Hinweisen für die Identität des Eigentümers. Die fand ich zwar nicht, dafür aber dafür viiiele vorgeschriebene Entschuldigungszettel für einen ganz bestimmten Lehrer. Bereits fertig unterzeichnet, nur das Datum musste noch eingesetzt werden. Was sollte ich denn nun machen? Der arme Schüler sollte doch seine Unterlagen zurückbekommen. Der Lehrer hatte also alles heute Morgen auf seinem Tisch im Lehrerzimmer…

Schülersprüche über Lehrer – scherzhaft oder zu viel?

Wenn lautstark über Lehrer hergezogen wird, gibt es eine unsichtbare Grenze für mich und wenn die überschritten ist und die Gespräche dann ausufern, dann schreite ich in die Gespräche durchaus auch ein. Ein ehemaliger Schüler äußerte sich einst mehrfach besonders abfällig über einige Lehrkräfte. Er war seit Jahren ein super Schüler, aber sozial gesehen eher dreist, derb und teilweise unterstes Niveau. Und er war im Schützenverein. Wenn so jemand nun „scherzhaft“ meint: „den kannste nur noch abknallen“, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Dabei sind es selten die, die laut tönen, trotzdem, ein ungutes Gefühl war immer da. Besagter Schüler wird übrigens selbst bald Lehrer…

Dez 16, 2016 - Schulalltag    No Comments

Bibber bibber – eine Prüfung!

Monatelang hängen sie bei dir in der Bibliothek rum und werden ständig ermahnt, bitte leiser zu sein. Einige brauchen immermal Hilfe, dann kriegen sie einen nicht enden wollenden Lachanfall. Und irgendwann quatscht man mit ihnen und sie wachsen dir ans Herz. Auch, wenn du sie ab und zu… naja. Egal. Ich bin gestresst, weil ich einfach ruhige Arbeitsbedingungen für alle haben will und es mir manche dabei sehr schwer machen.

Aber dann kommt die Prüfungsphase und das große Zittern beginnt und man zittert immer ein kleines bißchen mit. Manche Schüler kommen direkt nach ihrer Prüfung und berichten, wie es lief, andere siehst du nie wieder, denn du existierst nicht wirklich für sie. Du als Bibliothekarin gehörst zum Inventar und die Bibliothek wird nicht mehr gebraucht. Aber immerhin, sie waren da. Auch die Hauptschüler, auch die Realschüler. Gerade die, denn oftmals habe ich zu ihnen einen guten Draht. Oberstufe heißt oft auch automatisch – Regeln? Ich? Ich bin doch schon 18, was soll das? Darum klappt’s mit Real- und Hauptschülern oftmals besser langfristig. Sie verzeihen auch meine strengen Rauswürfe und kommen wieder. Und dann fangen wir einfach von vorne an.

Die ganz große Prüfungsphase kommt ja auch erst im März. Dann tun mir die Gruppen büffelnder Schüler schon auch mal leid, aber es ist ja auch eine sehr besondere Lebensphase. Sie durchstehen sie gemeinsam, finden neue Freunde, die ihnen endlich Trigonometrie mal so erklären können, dass auch sie es kapieren und sie hocken in Gruppen bis zum späten Nachmittag gemeinsam mit mir in der Bücherei.

Dann bin ich die Relaxte, die nicht so gestresste. Dann kehrt sich die Situation von vor einigen Wochen um.

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