Archive from November, 2016

Die Offline Bibliothek

Unsere Kunden können Laptops nutzen, mit Tablets arbeiten, E-Reader ausleihen, elektronisch ihre Vormerkungen und Verlängerungen selbstständig tätigen, in der Onleihe eAudio & Co entleihen – ja, wir sind ziemlich digital – dafür, dass wir „Bücherei“ heißen.

Aber seit einer Woche aber geht bei uns nix mehr. Sieben komplette Tage bin ich schon ohne Verbindung zum  Bibliothekssystem. Unser Schulnetz funktioniert, was mir ermöglicht, immerhin Mails zu bearbeiten, online Recherchen durchzuführen und Kunden über unseren Webopac Auskünfte zu erteilen. Klingt, als beeinträchtige uns der Systemausfall also kaum.

STIMMT! Was soll’s?

Nach 7 Tagen habe ich aber auch die Erkenntnis, dass die Jugendlichen quasi normal hier arbeiten können. Die meisten bringen ihre Hausaufgaben mit, die Laptops der Schule funktionieren samt Internet und die Notausleihe suggeriert den Kunden, dass alles verbucht ist, was da so rein- und rausgeschleppt wird an Medien. Ich kenne meinen Bestand gut genug, um zu wissen, wo ich nach welchem Thema suchen kann und beschaffe quasi auch so alles, was meine Kunden brauchen. Meine lieben Kollegen der Stadtbücherei buchen alle Rückgaben für mich, so dass keine ungerechtfertigten Mahngebühren entstehen. Aufregen kann ich mich mittlerweile über Hotlines, Techniker & Co auch kaum noch. Die Leute tun nur ihren Job und sind meist ja auch sehr nett.

UND DOCH! Es ist eine Katastrophe!

Weil meine Kunden gewöhnt sind, dass sie bei mir jederzeit Auskunft über ihr Konto erhalten und weil sie wissen, dass ich eigentlich immer sagen kann, was wir zum Thema X so parat haben – eben auch jenseits meiner „eigenen“ Regale. Meine Kollegen übernehmen derzeit meine Arbeit, weil ich sie nicht tun kann und ich sitze da und traue mich nicht aufs Klo, falls der Techniker gerade jetzt anruft. Eingearbeitet werden kann nichts, ebenso kann nichts verbucht werden, was geliefert worden ist und so weiter und so fort. Und nicht zuletzt ist es einfach peinlich, dass wir schon wieder kein Systemzugang haben – das ist alles andere als professionell.

Warum so lange?

Die laaaange Ausfallzeit liegt im Übrigen an unserem Internetanbieter. Es hat 4 Tage gedauert, bis die Information, dass wir jemanden vor Ort brauchen, auch beim Techniker angekommen war und dann nochmal 2 Tage bis wir einen Termin bekommen haben. Teilweise fühlt man sich nicht ernst genommen, denn als „Techniker bereits in den Startlöchern standen“ wusste ich von eben diesem, dass er noch gar nicht informiert worden war.

Tief durchatmen. Und hoffen, dass endlich das Telefon klingelt…

 

Nov 25, 2016 - Schulalltag    No Comments

Jugendliche im Stress

Haben Sie schon mal versucht, mit nur 3 oder 4 Jugendlichen innerhalb der Woche einen Nachmittagstermin zu finden, an dem alle auch können und mal eine Stunde Zeit haben? Es ist nicht möglich. Mit Doodle, Mail oder WhatsApp versuche ich,  Jugendlichen mit ihren eigenen Kommunikationsmitteln anzusprechen und somit wenigstens die Terminfindung leichter zu gestalten, aber es ist jedes Mal ein Grausen!

Dabei sind das alles engagierte, gebildete nette junge Menschen – oder ist vielleicht genau das das Problem?

Die Engagierten kriegen immer noch eins mehr mit, das kennen wir alle. Sagst du einmal ja und bist auch noch gut, hast du quasi „verloren“. Und ich nutze die Engagierten und Netten ja selber schamlos aus. Einige kriegen es ganz gut hin und lassen sich von mir nicht zu allem verpflichten. Ich manage derzeit eine Jugendliteraturjury, die hauptsächlich liest. Außerdem eine Gruppe, die Lesen als Events für Kinder gestaltet und zudem kommt die AG der Schulzeitung. Manchmal brauche ich noch Leute, die bei einem „Literarischen Quartett“ mitmachen, eine Lesung organisieren, mit in die Buchhandlung gehen wollen oder die beim Tag der offenen Tür mithelfen. – Und wen frage ich? Immer die Gleichen, immer die Zuverlässigen.

Nein sagen – das müssen auch Jugendliche lernen!

Ein Mädel ist dabei, die sagt auch Nein, und das auch noch sehr charmant. Das find ich toll. Sie hat gelernt, nur das zu tun, was sie wirklich will und was sie auch schafft. Für mich ist „Nein“ natürlich manchmal blöd, aber wenn sie „Ja“ sagt, kann ich mich auf sie verlassen. Zuverlässigkeit ist bei der Arbeit mit Jugendlichen nicht selbstverständlich. Sie müssen auch manchmal noch lernen, was eine Zusage bedeutet und dass es halt für alle anderen nicht gut ist, Termine kurzfristig platzen zu lassen. Ich selber muss meine Jugendlichen dann auch gut kennen, denn wir bekommen monatlich Anfragen, ob die Jury nicht hier und da noch aktiv sein möchte. Dann muss auch ich mal „Nein“ sagen und so mindestens die beschützen, die es noch nicht können.

Jugendliche wollen umgekehrt auch Verlässlichkeit und Konstanz. Wenn ich selber zu oft fehlerhafte Mails verschicke, werden sie nicht mehr gelesen. Wenn ich Termine zu oft platzen lasse, sind sie weg. Es ist ein Miteinander. Und trotzdem bin ich die Erwachsene und darf Jugendlichen gegenüber nicht nachtragend sein, wenn sie mich – wieder mal – versetzt haben.

Nov 22, 2016 - Schulalltag    No Comments

Ommmmm

Mittagspause. Stühle rumsen, eine quietschige Stimme singt aus einem Handy, Analysis wird erklärt (immer und immer und immer wieder). Die Alarmanlage an der Tür geht los, denn kleine Reclamhefte passen so hübsch unbemerkt in die Kapuze des Kumpels, der gerade rausgeht. Eine johlende Gruppe verkündet ALARM. Es regnet schon den ganzen Tag: der Boden ist von Matsch, Blättern und Brotkrümeln verklebt und – ach was quietschen Schuhsohlen so herrlich auf Linoleum, wenn sie nass sind

Ja, es ist einer dieser Tage, die zwar sind wie viele andere – und doch komplett anders. Denn ich bin heute anders. Meine Hut-Schnur ist kürzer als sonst, mein innerer Kern brodelt und ich weiß, ich muss jetzt richtig arbeiten, richtig aufpassen, dass ich nicht explodiere und dann den Falschen angehe. Die johlende Gruppe wird mehr oder minder schnell der Bücherei verwiesen, nur um dann von außen noch einmal wütend gegen die Scheiben zu hämmern. Und dazwischen: diejenigen, die lernen wollen. Dieje, die eine Frage haben und Hilfe brauchen und die, die was ausleihen wollen oder mir nur erzählen wollen, wie schön sie das grad gelesene Buch fanden. Das Hin und Her zerreißt mich. Die Lieben bitte ich manchmal, in einer ruhigeren Minute wieder zu kommen, denn ich will auch wirklich hören, was sie mir erzählen und mir Zeit nehmen. Und dann giggeln sie wieder, die Mädchen. Sie kreischen und quieken, weil die Bravo manchmal eben doch mehr zeigt, als sie erwartet hatten.

Und ich denke an diesen Blog und daran, wie ich gleich hier erst mal alles rauslassen muss, um nicht zu explodieren…

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